Werkbeschreibung

Es gibt Solo-Arbeiten, von Saxana Nicole Schötschel, als auch von Helge Hommes,
die nur den Solo-Künstlern zuzuordnen sind. Es gibt Bildwerke, die zwar als
Solo-Kunstwerke von einem der Künstler*innen entstehen und auch bestehen bleiben,
aber auch gleichzeitig konzeptionell in ein Gemeinschaftsprojekt oder in eine
Gemeinschaftskonzeption eingewoben sind und es gibt große Gemeinschaftsarbeiten,
die formal als auch konzeptionell, auf einem gemeinsamen Bildträger entstehen, wie
die Gemälde HIMMELSKINDER (300 X 400 cm), DAS GRO?E GELINGEN (250 X 600 cm)
oder das Historiengemälde EINSKOMMAFÜNFGRAD (260 x 810 cm)

Das Gesamtwerk besteht aus Malerei, Zeichnung, Plastiken, Performance, Texten,
Formulierungen, politischen Diskussionen im Öffentlichen Raum, Reden und Vorträgen.
Generell ist die Weiterarbeit an der „Sozialen Plastik“ immer in unserem Fokus.
Im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung steht seit über 30 Jahren der Baum,
stellvertretend als Wesen im Komplexum der Natur. Er transformiert sich gegenwärtig
in den Köpfen der Menschen zu einer Sehnsuchtsfigur und wird mittlerweile, zumindest
teils als „personelles Wesen“ anerkannt. Aus dieser Begebenheit generiert Saxana
2019 ihren Kommentar: „Der Baum ist der Messias“
Seit tausenden Jahren würdigen ihn diverse Kulturen und beten ihn an. Heute erfährt
diese archaische, uralte Gefühlswelt eine wissenschaftlich betonte Grundsteinlegung.
Eine Hilfestellung, die eventuell zu spät kommt !?
Es vergeht leider zu viel kostbare Zeit, bis Politik und Gesellschaft entsprechend auf
vorliegende Erkenntnisse der Wissenschaft reagieren. Es ist ein Armutszeugnis der
Gesellschaft, dass sich in unsere Kindern das Gefühl gebildet hat, auf die Straße gehen
zu müssen (FFF), weil sie berechtigte Angst um ihre Zukunft und die des Planeten haben.
Wir richten unseren Fokus auf die Architektur der Natur, auf ihre Strukturen und ihre
Geistigkeit, würdigen letztendlich den Baum im gemaltem Portrait in Augenhöhe
in der Werkgruppe „BAUMPORTRAIT“. Ebenso richtet sich der Blick in die Welt der
kleinen Lebewesen: Insekten etc., bis kleinste Lebewesen, wie Mikroben und Bakterien.

Baumportrait / 220 x 155 cm / Öl auf Leinwand / 2021


Saxana fixiert das Wesenhafte in der Natur. Das Gemälde NATURE FIRST
aus dem Jahr 2026 betont die Komplexität des Lebens. Wo sie auch hinsieht,
entdeckt sie Lebensformen, Lebewesen, die dann in den Bildwelten erscheinen
oder schon dort verborgen schlummern und dann immer mehr Form annehmen.
Sie versteckt Tiere, Feen und Elfen, Naturwesen in den Gemälden, die dann
gefunden werden wollen. Wenn man die Bildwerke in Ruhe ansieht, werden die
Geschöpfe vom aufmerksamen Betrachter*innen bemerkt. Alles ist miteinander
verwoben, Saxana begibt sich auf „Humboldt’sche Erkenntnisreisen“.
Der Himmelskosmos interessiert ebenso wie die Lebensformen der Tiefsee.
Dem Wasser, in Form eines Tropfens, einer Schneeflocke, als Nebel, als Quell
jeden Lebens, widmet sie große Aufmerksamkeit – „Alles fliesst“, philosophisch
beäugt oder formal wahrgenommen … es findet sich in Ihrer Bilderwelt.

NATURE FIRST / 190 x 260 cm / Öl auf Leinwand / 2026

Helge Hommes fokussiert seit über 30 Jahren die Frage nach dem SEIN.
Ihn interessiert, wie Saxana auch, genaues Hinsehen, egal was er fokussiert,
den Wald, Berge, Wassertropfen, die Tiefsee oder deren Bewohner, den Kosmos
der Sterne, die Wüste, die Arktis, die Menschen und das, was sie tun und nicht tun,
das Auftauen des Permafrostes, die Schönheit und die Abgründe in der Welt.
Das Wunderwerk Baum hat er dabei als Erkenntnisquell für Strukturen
des Lebens „des Werden und Vergehens und Werdens“ ins Zentrum gestellt.
„Die Architektur der Natur ist die Quelle, aus der ich meinen Durst nach
Erkenntnis lösche“. Fragen wie „Wieviel oder wie wenig“ verträgt und arrangiert
sich „wie“ im Raum und Zeit, die generelle Frage nach Proportionen interessiert ihn.
(Immer im Äquivalent zum realen Leben betrachtet) Aus den jahrelangen stillen
Beobachtung der Bäume, bemerkt er zunehmend, ein besonderes Gespür auszubilden,
das Gefüge des Lebens, mehr und mehr und besser zu verstehen. Wenn man denkt,
„Der Helge malt ein Leben lang nur Bäume“ lohnt es sich, genauer, tiefer hinzusehen.

Waldesruh / 290 x 200 cm / Öl auf Leinwand / 2010


Was macht es aus, sich als Künstlerpaar auszurichten und zu arbeiten?
Bspw. ist es spannend, auf geistige, gegenseitige Befruchtung zu setzen
und sich dabei nicht als Individuum zu verlieren. So entstehen, parallel des
ewigen Spannungsfeldes zwischen Frau und Mann, beide in eine Richtung
sehend, eventuell den gleichen Baum fokussierend, einzigartige
„Plein-air-Doppelportraits“, wie das der alten Eiche MARGARETE.

MARGARETE … ein Plein-air-Doppelportrait einer alten Eiche
Zwei Gemälde, je 250 x 360 cm / Öl plein air a. Lw. / 2019 im Reinhardswald

Die Malerei ist neben installativen Arbeiten, Zeichnungen und Plastiken
und politischem Diskurs unser bevorzugtes Ausdrucksmittel.
Das Atelier in Leipzig ist die Home-Base, die Denkoase, ein Ort
für komplexe Arbeiten < > der Wald ist unser externes Atelier …
2018 lud uns der ehemalige Gründungsdirektor der Ludwig-Galerie Aachen,
später dann des Ludwig Forum, Herr Prof. Dr. Wolfgang Becker ein, die
todgeweihten Bäume im Hambacher Wald zu fokussieren, in den Wald zu
kommen und sich mit Kunst solidarisch für den Erhalt des Waldes einzusetzen.
Wir konnten nicht ahnen, was sich daraus über die Jahre entwickelte
und ein Ende ist nicht abzusehen …

Die vier kantischen Fragen, „Was kann ich wissen? Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“ sowie Bertolt Brecht’s Worte,
„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ wurden zu unserem Kompass.
In diesem Kontext entstanden im Sommer 2018 im Hambacher Wald zwölf große Gemälde (Bericht im Kunstmagazin art Ausgabe 5 / Mai 2020), des weiteren bis heute viele weitere Malereien, eine größere Plastik mit dem Titel:
RAUMSCHIFF HAMBACHER WALD – AUFBRUCH IN NEUE WELTEN
und kleine filigrane Plastiken, die den bezeichnenden Titel HA(M)BI-TATE tragen

Einen Tag vor dem tragischen Tod des Kunststudenten Steffen Meyn im HAMBI,
den Saxana unmittelbar aus nächster Nähe oben im Baumhaus miterlebte, erklärten wir das Komplexum Hambacher Wald zum Gesamtkunstwerk.
Damit meinten wir, eine verantwortliche Gestaltung des gesellschaftlichen und eigenen Lebens im Einklang mit der Natur zu leben, im Verständnis, sich als Teil
ihrer zu begreifen und nicht vermessen über sie zu herrschen, alles komplex als immerwährende Aufgabe zu verstehen.
„Freies Land und freie Hütte, freier Geist und freies Wort, freie Menschen, freie Sitte, zieht mich stets zu diesem Ort.“ Wohl kaum treffender als dieser bekannte Hüttenspruch, verfasst vom Anarchisten Max Barwert, Meiningen,ca. um 1927, beschreibt dieser das Leben, die Haltung der Menschen in den Baumkronen, die wir damals dort kennenlernten.
Wir nannten sie HIMMELSKINDER und verkündeten damals gegenüber Politik, Polizei und RWE: DER WALD BLEIBT STEHEN …
Wir ergänzen heute: Unsere Arbeit wurde zu einem Statement zum Erhalt des
Hambacher Waldes und wir trugen mit unserer Kunstintervention mit dazu bei,
dass der Widerstand so gross wurde und dass der HAMBI nun nach WACKERSDORF und der FRIEDLICHEN REVOLUTION VON 1989 ein weiterer Gipfel in der Geschichte der erfolgreichen Widerstandsbewegungen in Deutschland wurde.
Seit dem arbeiten wir in einer Werkfacette an einer malerischen Würdigung dieses Waldes, die sich über die kommenden Jahre immer mehr zu einem „einzigartigen Zeitzeugnis der Malerei“ verdichteten wird

Zu unserer Arbeit im Hambacher Wald erschien u.a. ein Bericht
im KUNSTMAGANZIN art /. Ausgabe 5 / Mai 2020

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