
Über viele Jahre hinweg ist ein komplexes, miteinander verbundenes Bilduniversum entstanden, das sich über zahlreiche Werkgruppen erstreckt. Saxana schafft ihre Arbeiten im Freien – in Wäldern und, in einer weiteren Facette ihrer künstlerischen Praxis, an zentralen Orten der Klimagerechtigkeitsbewegung, darunter der Hambacher Forst (seit 2018), Lützerath, der Dannenröder Wald und viele weitere Orte.
In ihrem Leipziger Atelier entwickelt Saxana Arbeiten, die Zeit, Betrachtung und eine anhaltende künstlerische Konzentration erfordern. Ihre Gemälde entstehen in einem sorgfältigen Prozess, bei dem unterschiedlichste Bezugsebenen bewusst miteinander verwoben werden. Komplexe Konzepte aus Wissenschaft und Geschichte, Erkenntnisse aus Botanik und Zoologie, Beobachtungen des Kosmos und der Himmelskörper sowie Reflexionen über die verborgenen Ökosysteme der Tiefsee werden zu vielschichtigen visuellen Erzählungen komponiert. Diese unterschiedlichen Wissensfelder dienen dabei nicht lediglich als Illustrationen, sondern werden zu integralen Bestandteilen einer eigenständigen Bildsprache.
Eine bedeutende Strömung innerhalb der zeitgenössischen Kunst ist die der „Individuellen Mythologien“ – ein Begriff, der künstlerische Praktiken beschreibt, bei denen persönliche Bedeutungssysteme in universelle visuelle Erzählungen überführt werden. Künstler wie Giuseppe Penone und ebenso Saxana erschaffen materielle und bildnerische Räume, die von symbolisch aufgeladenen Objekten, Spuren der Erinnerung und autobiografischen Verweisen geprägt sind. Diese sorgfältig komponierten Zeichen- und Bedeutungskonstellationen überschreiten das rein Persönliche und laden die Betrachterinnen und Betrachter ein, in komplexe Welten einzutreten, in denen Erinnerung, Natur, Wissenschaft und Vorstellungskraft zusammenfließen.
In Saxanas Werk werden Symbole zu Bedeutungsträgern. Sie eröffnen einen individuellen Blick auf die Welt und schaffen zugleich einen poetischen Raum für die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur.
Born in Düsseldorf in 1966, Saxana lives a life shaped by an unwavering commitment to both artistic practice and activism. Her work is grounded in a profound sense of responsibility, embracing forms of creative action that extend beyond the self and seek to effect meaningful change—both in everyday life and within broader social and ecological contexts.
“My studio is outdoors …”—this brief statement, taken from a conversation with the artist, is deeply revealing of her artistic practice. In an era shaped by digital acceleration, and at a time when it has become increasingly evident that humanity must once again understand itself as an integral part of nature, the practice of plein air painting assumes an almost revolutionary significance.
Although countless hours are devoted to the studio, the days spent painting in forests are the true highlights of the year. Working under an open sky—whether deep blue or veiled in mist, in freezing cold or oppressive heat, amid snowfall or strong winds—demands a profound commitment to being fully present in the moment, regardless of external conditions.
Rather than resisting these forces, Saxana welcomes them. The traces left by weather, climate, and the elements are intended to remain visible within the work. They become witnesses to the circumstances of its creation, integral components of the painting itself, and are granted a permanent home within its surface.

Aus der Perspektive der „Erwachsenenwelt“ wird das freudige Eintauchen in das eigene unmittelbare Universum oft als naiv abgetan. Doch gerade diese sorgfältige, ganzheitliche Art des Seins – jene Qualität, die wir an Kindern bewundern und deren Verlust wir im Erwachsenenalter oft still bedauern – ist in Saxanas künstlerischer Vision niemals verblasst.
Diese beständige Fähigkeit ermöglicht es ihr, Bilder von außergewöhnlicher Ehrlichkeit und Authentizität zu schaffen. Ihre Gemälde erinnern uns an eine Fähigkeit, die viele von uns verloren haben: die Welt mit der Offenheit, dem Staunen und der Klarheit eines Kindes wahrzunehmen. Indem sie dies tun, laden sie uns ein, zu einer Form des Sehens zurückzufinden, die noch vor Konventionen und Erwartungen liegt.
Ihre Malerei ist frei von akademischer Dogmatik und den Konventionen des Kunstmarktes. Sie bleibt unmittelbar, kompromisslos und zutiefst echt.
Ein Bildausschnitt:
Die Tiere sagen, die Gletscher schmelzen … / 250 x 230 cm / Öl a.Lw. / 2020

Saxana studierte Anfang der 1990er Jahre an der Werkkunstschule Köln – in einer Zeit, in der die Malerei in der Kunstgeschichte bereits nahezu jede formale und konzeptuelle Möglichkeit ausgelotet hatte. Die Kölner Ausstellungsszene bot damals nur wenig Raum für Formen figurativer Malerei, da konzeptuelle und nicht-gegenständliche Positionen den zeitgenössischen Kunstdiskurs weitgehend bestimmten.
Doch für Künstlerinnen und Künstler, die Malerei als notwendiges Ausdrucksmittel eines inneren Impulses erfahren – als einen Schrei, der zum Bild werden möchte, eine Erfahrung, die vielen aufstrebenden Künstlern vertraut ist –, ist es entscheidend, sowohl die notwendige Zeit als auch das geeignete Umfeld zu finden, in dem sich eine solche eigene Bildsprache entwickeln kann.
Nach Lebens- und Arbeitsstationen an verschiedenen Orten entdeckte Saxana im Jahr 2012 Leipzig und entschied sich, dort ihren Lebensmittelpunkt einzurichten. Ausschlaggebend war die Anziehungskraft eines der lebendigsten Zentren für zeitgenössische figurative Malerei in Europa.
Zu den Arbeiten, die in dieser Zeit entstanden, gehört das folgende kleine, aber zutiefst eindringliche Gemälde.
Lichtfest – Leipzig / ca. 45 x 33 cm / Öl auf Kartonage / 2014

Die grundlegende gesellschaftliche Frage – Wie wollen wir leben, und welche Art von Gesellschaft wollen wir gestalten? – zieht sich wie ein roter Faden durch Saxanas künstlerisches Schaffen.
2013 lernte Saxana Nicole Schötschel in Leipzig Helge Hommes kennen. Seit 2017 arbeiten beide gemeinsam als Künstlerduo HELGE & SAXANA und verbinden ihre individuellen künstlerischen Ansätze zu einer gemeinsamen Praxis, die von ökologischem Bewusstsein, gesellschaftlicher Verantwortung und politischem Engagement geprägt ist.
Saxanas Gemälde Der Schrei des Baumes, 1987 kann als frühes künstlerisches Manifest gelesen werden. Die Bäume schreien noch immer – besonders eindringlich im Hambacher Forst zwischen 2012 und 2018 sowie erneut in den Jahren 2024 und 2025 im östlichen Teil des Waldes und im sogenannten Sündenwäldchen. Diese Orte versteht ihre Arbeit nicht nur als Landschaften, sondern als Sinnbilder eines fortdauernden Ringens um das Verhältnis des Menschen zur Natur.
Seit 2018 bilden künstlerische Interventionen, die unmittelbar an Orten des Widerstands gemeinsam mit der Klimagerechtigkeitsbewegung entstehen, einen wesentlichen Schwerpunkt ihres Werkes und ergänzen ihre übrigen Werkgruppen. Zunehmend fließen diese unterschiedlichen künstlerischen Entwicklungen in ein langfristig angelegtes Projekt zusammen, das dem Hambacher Forst gewidmet ist. Mit einem vielschichtigen malerischen Werkkomplex möchte Saxana diesem verbliebenen Rest eines uralten Waldes ein dauerhaftes Denkmal setzen – als einzigartiges malerisches Zeugnis eines Ortes, der durch den entschlossenen Einsatz einer vielfältigen Zivilgesellschaft bewahrt werden konnte. Dieser Einsatz forderte jedoch auch Menschenleben.
Zu den bedeutendsten Arbeiten in diesem Zusammenhang zählt das Gedenkporträt von Steffen Meyn, der 2018 im Hambacher Forst während der Dokumentation der Proteste ums Leben kam. Saxana malte das Porträt, und gemeinsam installierten die Künstler es an genau jener Stelle, an der Meyn sein Leben verlor. Das Gedenkbild verblieb bis 2025 im Wald und wurde anschließend durch ein zweites, ebenfalls von Saxana geschaffenes Porträt ersetzt, während das Original sorgfältig für die Zukunft bewahrt wurde.
Die Künstler hoffen, dass ein Museum in Nordrhein-Westfalen die historische und künstlerische Bedeutung dieses eindrucksvollen Zeitdokuments erkennt und es in seine Sammlung aufnimmt. Bislang hat jedoch keine Institution das Werk übernommen. So entschied sich unter anderem das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, das Angebot der Künstler, das Gedenkbild zu stiften, abzulehnen. Damit bleibt dieses bedeutende künstlerische Zeugnis jüngster Zeitgeschichte bislang ohne öffentliche institutionelle Heimat.

Jüngere Arbeiten wie „EMERALD VEIN, GRASPING THE SKY’S GIFT“ (190 × 260 cm) und „JUST NATURE“ offenbaren die außergewöhnliche Komplexität von Saxanas künstlerischer Bildwelt.
Ihr Detailreichtum und ihre vielschichtige Symbolik verlangen etwas, das im heutigen Alltag immer seltener geworden ist: Zeit, Geduld und konzentrierte Aufmerksamkeit. Diese Gemälde erschließen sich nicht auf den ersten Blick, sondern laden zu einer langsamen, vertieften Betrachtung ein. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen – genau hinzusehen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und ihre Zusammenhänge zu erfassen –, wird mit einer tiefen visuellen und geistigen Erfahrung belohnt.
Die eigentliche Kraft dieser Werke entfaltet sich allmählich und offenbart sich erst in der Intensität einer anhaltenden Betrachtung. Gerade in dieser konzentrierten Begegnung werden die poetische, emotionale und gedankliche Tiefe von Saxanas Malerei in ihrer ganzen Vielschichtigkeit erfahrbar.

Dieser Abschnitt gibt einen Querschnitt durch Saxanas künstlerisches Werk und zeigt Ausschnitte aus verschiedenen Gemälden sowie Ansichten von Ausstellungsinstallationen. Der Schwerpunkt liegt auf Arbeiten der vergangenen zehn Jahre – einer Schaffensphase, in der sich ihre unverwechselbare Bildsprache durch die intensive Auseinandersetzung mit der Natur, ökologischen Fragestellungen und dem Verhältnis des Menschen zur belebten Welt kontinuierlich weiterentwickelt und verdichtet hat.





















































































































