Im Herbst 2014 feierte man in Leipzig den 25. Gedenktag der Friedliche Revolution 89
… im großen Stil, mit Staatsakt. Über 30 internationale Regierungsoberhäupte besuchten
Leipzig zu diesem Akt. Im Gewandhaus wurde zum Staatsbankett geladen. Auch die
Künstler*innen, die an verschiedenen, zum Thema bezüglichen, historischen Orten,
den Gedenktag mit Kunst begleiteten, waren Gäste dieses stattlich-bürgerlichen Events.
So gab ich mir eine Stunde, nahm Teil, immerhin war ich auch geladen und der
Bundespräsident wollte sich meinen Beitrag ansehen – dazu kam es nicht.
Man hatte sicherheitstechnische Bedenken. Zudem strich man meinen Beitrag,
*DAS URLICHT*, aus dem offiziellen Program – warum weiss ich bis heute nicht.
Erst ab 22 Uhr durfte ich mein Kunstwerk für die Öffentlichkeit zugänglich machen.
Da aber gerade das *URLICHT-PROJEKT* schon im Vorfeld, über knapp 3 Monate,
in der Zeit des Aufbaus, mehrfach in Medien, in der Zeitung und im TV Aufsehen erregte
(es war spektakulär), konnten es die Menschen nicht Abwarten, bis auch dieser wohl
aufwendigste Beitrag der Kunst zur Gedenkfeier endlich anzusehen war.
Was ist DAS URLICHT? Es ist ein komplexes, interdisziplinäres und partizipatives,
vielschichtiges Kunstwerk, eine zeitgemäße konkrete Weiterarbeit am Kunstbegriff der
SOZIALEN PLASTIK von Joseph Beuys. Es setzt sich aus einem formalen riesigen
Körper, dem Mitmachen vieler Menschen beim Aufbau, als auch der Teilnahme im
Moment eines Besuches, an diversen Veranstaltungen, der Musik, des Theaters,
von Diskussionen über Probleme der Gegenwart und aus dem Allem innewohnenden
Bezug zur schwierigen Historie des Gebäudes zusammen. (Blick in die Zukunft,
wie wollen wir leben? … inklusive) Ich rief die Bevölkerung Leipzigs per Zeitung und
Radio auf, Sperrmüll zur Hauptpost zu bringen und mir zu helfen, mit dem Material eine
Kathedrale aus Sperrmüll in der Alten Hauptpost zu errichten, eine Kathedrale, die sich
divers zur Nikolai-Kirche bezog. Der Kunstkörper sollte die Form eines riesigen,
imaginären, holen Baumstumpfes bekommen, Sperrmüll als Baumaterial, erst zerlegt und
dann zu neuer, daraus wachsender Architektur des Lebens, zusammengefügt, für die der
Baum stellvertretend für alles Leben in meiner Kunst steht. Jeder Teilnehmer, jede
Teilnehmerin am nun hier seit Jahren auch herrschenden Turbo-Kapitalismus, der keine
Grenzen respektiert, der wenn man es so sieht, eine tödliche DNA besitz, der in Masse
nicht auf Klasse sondern auf Kaufen, Wegwerfen und Neukaufen setzt, produziert
Sperrmüll, etwas, was man gerne aus dem Keller, vom Dachboden auf die Strasse stellt.
Somit war dies ein divers ideales Baumaterial, das alle Menschen miteinander indirekt –
direkt verband, alle mit der Frage infizierte, was den der Künstler nun damit vorhat und
man selbst auch noch mitmachen konnte … so ein Konzept öffnet Köpfe und macht, bei
der einen mehr – bei dem andern weniger, bereit, nachzudenken, mitzudenken, hier und
da auch mit zu diskutieren … über Probleme der Gegenwart … in Rückblick, zum
Gedenken an die Probleme, Ängste, Zustände von vor 1989 …
Das Projekt CRADLE TO CRADLE, erdacht von Prof. Michael Braungart, wäre ein Ziel
für die Zukunft. Die physische Architektur des Kunstwerks führt uns den Wandel vom
normalen, gewohnten Umgang mit Müll, Sperrmüll, hin zu einem Baumaterial vor Augen
und animiert zum generellen hinterfragen von Gewohntem, das ist ein sehr wichtiger
Schritt. Die Architektur des Lebens in eigenen Sein, im Umgang Miteinander, im Umgang
mit Tieren und Pflanzen fordert eine neue zeitgemäße Überprüfung und Entwicklung.
Hier anschliessend kann man den TV-Bericht des MDR über das URLICHT in der
Kultursendung artour ansehen. Zur weiteren Annäherung an das Projekt ist
darunter ein Fotoblock zur Verfügung, der Ansichten im Detail ermöglicht …
