NOCH BESSER LEBEN

2012 … ein Ausstellungsprojekt damals in Aachen in der Galerie Freitag 18.30
Ich realisierte in der Galerie ein komplexes sehr aufwendiges Ausstellungskonzept,
das eigentlich eher etwas für einen Kunstverein gewesen wäre.
An die Ausstellung erinnert man sich allerdings noch heute.
Sie gehört zu einer Gruppe von Ausstellungsprojekten, die ich zwischen 2011 und 2014
realisierte, dehnen eine tiefgreifende Selbstreflexion zu Grunde lag, die ich inklusive
meinem kritischen Blick auf gesellschaftliche Gefüge und deren Funktionieren und
Nichtfunktionieren anging, durchlebte und letztendlich in Kunst mündete.
Diese weiteren Projekte und Ausstellungen sind:
2011 Sperrmüll-Baum, Aachen / 2012 Ausstellung FOLGE MIR … Galerie Teapot, Köln
2012 – 2013 Das Schreiben des Manifest HELGE MACHT FEUER / 2013 Ausstellung
HELGE MACHT FEUER, Galerie Queen Anne, Baumwollspinnerei Leipzig
2014 DAS URLICHT, Leipzig … ein Projekt, das sich im Rahmen des Gedenken an
die Friedlichen Revolution von 1989 bewegte und weit darüber hinaus ging …
2014 WIE WOLLEN WIR LEBEN Podiumsdiskussion, Halle 14
Zentrum für zeitgenössische Kunst, Leipzig Bauwollspinnerei
Der Titel der Ausstellung NOCH BESSER LEBEN ist leicht verfänglich und lenkt den
Fokus auf einen unweigerlich, zu mindest schwierigen Kosmos von Zusammenhängen,
die einem erst klar werden, wenn man genau hinsieht, denn diesem Slogan stimmt man
doch eigentlich erstmal bedenkenlos, eher schnell zu?
In Leipzig nennt sich eine Szene-Kneipe so. Unter dem Titel versammelt sich Diverses,
Sehnsüchte, Zynische Beäugungen des Lebens, sicherlich ehrliche Ideen und Absichten,
es wirklich besser machen zu wollen … als auch philosophische
wie soziologische Betrachtungen.
Als ich began, vor der Galerie Sperrmüll zu stapeln, den ich vorher einsammelte und
dann in die Galerie trug, versammelten sich schon die ersten skeptischen, neugierigen
Blicke. Was passiert da? Die Ausstellung war doch unter besagtem Titel angekündigt
und nicht als Sammelpunkt für so ein Zeug. Die Spannung stieg.
Der Galerist und die Ausstellungsbesucher erkannten ihre vertraute Galerie nicht wieder.
Ich hatte einen alle Räume durchziehenden kompletten Raum aus Sperrmüll im Raum
gebaut. Eine Höhle oder eine Hölle aus Sperrmüll, einen Ort für Erkenntnis und Besinnung?
Es war Stadtgespräch. In den Sperrmüll-Wänden installierte ich Portraits einer Gruppe
von sehr unterschiedlichen Menschen, die ich auswählte, mit dehnen ich eine teils größere,
teils kleinere geistige Schnittmenge teilte, die ich für bettachtenswert erachtete, dazu
Integrierte ich auch einige Selbstportraits. Ich stellte mir sozusagen eine virtuelle
Wir-Familie zusammen, deren Mietglieder ihr Gedankengut bereits in die Welt gegeben
hatten oder weiter gaben, stellvertretend für viele Menschen, die mit ihrem Anspruch,
Gutes zu wollen, oder Macht auszuüben oder weis der Teufel was so agierten,
„ein Podest“, eine Bühne bestiegen, Bücher, Manifeste und Gesetze schrieben usw. …
Warum nahm ich Sperrmüll als Basismaterial. Er ist ein divers aufgeladenes Gut.
Vergänglichkeit, künstlich beschleunigt oder natürlich, ein Zeugnis unserer Kosumwelt,
die Wegwerfen als Teil innerer Strategie, als DNA, als Konzept begreift … usw. …
Gesund wäre das Model CRADLE TO CRADLE.
Im Zentrum der Ausstellung in Aachen stand im hinteren Galerieraum ein Thron.
Ein Thron, den hoffentlich keiner mehr begehrte, zu besteigen, um zu verkünden,
inklusive mir selbst. Ein zerfallender, ein zerbröselnder Thron, der um sich, am Boden
herum, die zahllosen Tafeln auf denen Verkündigungen standen, die ich nach und nach
in die Tafeln ritzte oder aufschrieb. Statements, Gedanken der Portraitierten und von
mir selbst. Ich erkannte das Triviale, das Verhängnisvolle und gleichzeitig das immer
wohl Notwendige: Es gibt immer das nächste „Jetzt“, wo man wieder anknüpft,
Gedanken fast * so könnte es doch gehen* und so geht es weiter und weiter …
so ist das Leben. Schon lange, mindestens seit einigen Jahren ist zu beobachten,
wie dringlich die Menschheit ein Stoppschild benötigt. Wenn man es schaffen würde,
Weniger ist mehr nicht zu missbrauchen sondern zu kultivieren, dann wäre das
sicherlich ein guter Schritt … Auch das ist nix neues aber es scheint notwendig – oder ?
*There is no planet B